Gedanken


A R T  2 0 1 9

Die Installation von Sislej Xhafa

Weiter mit dem Thema, der ausgestellte lebende Mensch als Objekt in der Kunst.
Dieses Jahr drastisch. Wortwörtlich deplatziert.
Raúl Portillo Samá aus Kuba sitzt in einer Installation auf der Art Basel 2019.
Ein echter, armer, authentischer kubanischer Eierverkäufer samt seiner Umgebung in die Ausstellungsräume verfrachtet sitzt seine bezahlte Zeit ab.
Ich reagiere auf zwei Ebenen darauf.
Auf die eine – politische – ja.
Wenn das ein Kommentar zu den Zuständen in einem Land sein soll, ein politisches Statement, dann ja. Dem Menschen möchte man helfen, seine Präsenz und Nähe verändert etwas im Bewusstsein, animiert zu Taten.
Auf die andere – nein!
Es ist verstörend. Das Echte (Armut, Einsamkeit) auf dieser Arena des Handels und/oder Sublimierung erzeugt Scham, auch ein Fremdschämen für den Verkäufer und vor allem für den Künstler. Er suggeriert Elend, so habe ich es wahrgenommen, aber der Verkäufer ist ein Mensch, nehme ich an, der in ein Zuhause eingebettet ist, einer unter Vielen die eine Arbeit und einen Platz haben. Da ist Armut kein Grund um sich zu schämen, nicht nur in Kuba. Und die Einsamkeit haben wir hier um die Ecke mannigfaltig, er hätte nicht nach Kuba reisen müssen.
Alles an der Installation empfinde ich als falsch, auch das Interesse der Besucher, die im Gespräch mit dem Mann eine Normalität wiederherzustellen versuchen. Sogar Empathie ist disloziert.

Sislej Xhafa – Ovoid solitude

MB_Art_Kuba
Foto: Magnolia Benone

Raúl Postillo (77) by Havana Live

Ich höre und lese immer öfter, dass Kunst alles sein kann.
Diese Installation ist keine Kunst in meinem Verständnis. Der Künstler war abwesend.

Mir kommt das Buch von Klaus Staeck – Pornografie in Sinn.

klaus_Staeck

Mein Lieblingswerk ist von Liliane Lijn, Conjunction of Opposites: Woman of War and Lady of the Wild Things. Formell ähnlich wie mein Lieblingswerk vom 2017.

 


A R T 2 0 1 7

Donna Huanca – Bliss
Art_2017_Huanca1
Lebendiges Modell vor den Götzen

Und wieder die Art in Basel. Das Jahr 2017.
Am längsten verblieb ich bei Donna Huanca – Bliss (Reality check), einer Installation mit lebendigen Menschen (Modellen) und Objekten. Eine magische Arbeit.
Bei 14 Räumen haben wir schon vielfältig den Einsatz von menschlichen lebenden Körpern gesehen.
Hier, unabhängig von der visuellen Attraktivität habe ich die kontemplative Geschwindigkeit der Bewegungen, die vielfältigen Interaktionen auf der Bühne, das Zusammenspiel von Mensch und Objekt, den Aspekt des Voyeurismus, das Be-Sinnliche sehr gemocht. Viele Empfindungen, Fragen und Antworten,  Ausloten der Grenzen der Kunst.
Es gibt ein Buch, dass das Thema lebender Mensch, ausgestellt in Abgründe führt. Clara, von José Carlos Somoza. Ein Psychothriller der Zukunft, eine Vision über Hyperdramatische Kunst (Kunstwerke, die aus lebenden Menschen bestehen) in welcher der Mensch zu einer lebendigen Leinwand degradiert wird, auch in privaten Räumen anwendbar. Abgesehen von brutalen Morden und dem ganzen psychopathologischen Plot gibt es da für mich eine geniale philosophische Ebene, die alle möglichen Fragen zu der Kunst, dem Kunstkomerz und dem Menschen selbst stellt.

Klappentext
Clara Reyes ist überglücklich, als sie vom Star der Hyperdramatischen Kunst, Hugo van Tysch, für eine Neuinszenierung von Rembrandts Susanna im Bade engagiert wird. Wie viele junge, schöne Frauen in Madrid, Wien, Berlin und Amsterdam träumt sie davon, mit einem der radikalen Künstler, die immer wieder für Skandale sorgen, zu arbeiten. Denn nichts könnte aufregender und glamouröser sein, als einen dieser Provokateure zu inspirieren und sich anschließend – nackt und bemalt – als Teil seiner Installation in einem Museum präsentieren zu lassen.

EM 21.6.17

Art_2017_Abfall1

 


E M P F E H L U N G

Michael Landy

Grosse, philosophische Kunst aus England: die Performance „Break Down“ von Michael Landy.
Im Namen der Kunst hat der Künstler im 2001 alles, was er besass, geschreddert.
Landy sagte: „Mein Ziel ist die Neudefinition meiner Persönlichkeit nach der Zerstörung alles Materiellen.“

Meine Empfehlung:
You Tube english:
1. Michael Landy Break Down
2. „Break down“ by Michael Landy  
3. Interview with Michael Landy (2011)

 


H A L L O    W E L T   2 0 0 8

Wenn ich unterwegs bin, habe ich meine Digitalkamera dabei und fotografiere die Natur in all ihren Formen. Menschen, Farben, Licht und Schatten – Stimmungen faszinieren mich immer. Wie ein Schwamm, eine Membrane, verbunden durch alle Sinne bewege ich mich in der Landschaft, bin ein Teil davon. Im Atelier lasse ich mich inspirieren, reflektiere über die Bilder, spiele mit ihnen. Der digitale Canvas lässt mir alle Möglichkeiten der Gestaltung offen. Nicht selten sind die Ideen und die Formfindung schon da, bevor ich mich auf die Suche mache, schon ewig in mir vorhanden. Am wichtigsten ist für mich die Wahrhaftigkeit und die inneren Emotionen, die ich aufzeichne. So entstehen sowohl erlesen raffinierte und anspruchsvolle, wie auch romantische, triviale und sogar kitschige Bilder. Die Wege sind unterschiedlich, die Welt unendlich gross und wir sind in unserem Schaffen und Denken frei.
Ewa Metelska

 


Z U C K E R W E L T E N

Opulente Schönheit. Barock zu verinnerlichen!